Page 8 - Jahresbericht 21_22
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SCHULPSYCHOLOGISCHER DIENST


                   Organisatorisches und Personelles
                       Der  Schulpsychologische  Dienst  spürte  die  der  Corona-Pandemie  zugeschriebenen
                       Belastungen  weiterhin  deutlich.  Eltern  meldeten  sich  –  nebst  den  Lehrpersonen  –
                       vermehrt direkt beim Schulpsychologischen Dienst, da sie sich um die schulische oder
                       sozio-emotionale  Entwicklung  ihrer  Kinder  unter  anderem  aufgrund  ausgeprägter
                       (Trennungs-)Ängste oder eingeschlichenen ungünstigen Verhaltensweisen sorgen.
                       Das Schuljahr startete der Schulpsychologische Dienst in einer neuen Formation:
                         -  Andrea Willnauer ist für die Gemeinden Hildisrieden, Neuenkirch und Rain zuständig.
                         -  Alexandra Furrer arbeitet für Sempach und Neuenkirch.
                         -  Fabienne Schnellmann und Angelika Dürr betreuen die Schulen Rothenburg.
                            Bedauerlicherweise musste Fabienne Schnellmann im Herbst 22 ihre Arbeit krank-
                            heitshalber niederlegen. Glücklicherweise konnte Hans-Peter Schmidlin sehr zeitnah
                            stellvertretend einspringen.
                         -  Auf Schuljahresende hat sich Lothar Steinke endgültig vom Schulpsychologischen
                            Dienst verabschiedet.
                       Das schulpsychologische Team musste sich personell finden und hat begonnen, interne
                       Dokumente und Abläufe zu vereinheitlichen. Trotz der hohen Arbeitsauslastung hat das
                       SPD-Team  in  Arbeitsgruppen  zu  Lese-/Rechtschreibstörung,  selektivem  Mutismus  und
                       Frühförderung mitgearbeitet. In der Gemeinde Sempach führte der lokale SPD zudem
                       zum wiederholten Male zwei Kinderkurse zum Thema Selbstwertstärkung durch.
               Damit das fachliche Know-How erhalten bleibt, besuchte das SPD-Team externe Supervisionen
               und absolvierte Weiterbildungen: Alexandra Furrer besuchte viele Kurstage im Rahmen des MAS
               Schulpsychologie der Universität Zürich und Angelika Dürr hat die Weiterbildung in bindungsba-
               sierter Beratung und Therapie bei Prof. Dr. med. K. H. Brisch, München, abgeschlossen. Um für die
               Wichtigkeit der Bindungsthematik zu sensibilisieren, haben Lothar Steinke und Andrea Willnauer
               Fachreferate  zur  Bindungstheorie  gehalten.  Lothar  Steinke  hat  den  SPD  Rothenburg  unter
               anderem  in  dieser  Thematik  nachhaltig  geprägt  und  hinterlässt  dem  Dienst  das  von  ihm
               entwickelte  „Bindungsbrett“,  auf  welchem  Bindung,  Beziehung  und  Stressreaktionen  visualisiert
               werden können.
               Eine  grosse  Veränderung  für  den  gesamten  psychologischen  Fachbereich  in  der
               Schweiz ist die vom Bundesrat beschossene und per 1.7.22 in Kraft getretene Einführung
               des Anordnungsmodells für die psychologische Psychotherapie. Es erlaubt selbstständig
               arbeitenden  Psychotherapeut*innen,  ihre  Leistungen  zulasten  der  obligatorischen
               Krankenversicherung  abzurechnen.  Es  wird  sich  erst  in  den  folgenden  Jahren  zeigen,
               wie sich das Anordnungsmodell auf den psychologischen Fachbereich und somit auch
               auf  die  Schulpsychologie  auswirken  wird.  Denn:  Einerseits  ist  die  Wahrscheinlichkeit
               gross, dass sich aktuell delegiert arbeitende Psychotherapeut*innen in Kinderarztpraxen
               vermehrt  selbstständig  machen  und  es  folglich  den  Kinderärzt*innen  an  psychologi-
               schem  Fachpersonal  fehlt.  Andererseits  erhofft  man  sich  auch,  dass  es  zu  einem
               breiteren  psychotherapeutische  Abklärungsangebot  kommt  und  die  in  den  letzten
               Jahren  kontinuierlich  steigenden  Wartefristen  –  beispielsweise  für  ADHS-Abklärungen  –
               abnehmen.
               Es  fällt  auf,  dass  die  Anmeldungen   Schuljahr        18/19  19/20  20/21  21/22       Zahlen, Daten, Fakten
               zwar  abgenommen  haben,  dafür
               aber  im  Bereich  der  Kurzanfragen   Anmeldungen           270    251   321    264
               ein  sehr  hoher  Wert  erscheint.  Es   kurz (1-5 Kontakte)   122   138   190   125
               gibt  weniger  kurze  und  mittlere   mittel (6-10)          110     88   106     95
               Fälle,  dafür  aber  mehr  lange      lang (11 und mehr)      38     25     25    44
               Interventionen.  Insgesamt  war  die   Kurzanfragen           58     48    37     78
               Fallbelastung  (Einzelfälle)  auch  im
               aktuellen  Jahr  hoch.  Beides  lässt   Einzelfälle total    328    299   358    342
               sich  vermutlich  teilweise  mit  einem
               verzögert  auftretenden  Corona-Effekt  begründen.  Die  Pensenaufstockung  von  10 %
               aufgrund der Coronapandemie war sehr wichtig – sie wurde dringend gebraucht, um
               den vielen Anfragen und Anmeldungen gerecht werden zu können.
               So konnten die Schulpsycholog*innen das Schuljahr mit gutem Gefühl abschliessen.
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