Page 7 - Jahresbericht 21_22
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Um auf die hohe Nachfrage nach Therapieplätzen
                        zu  reagieren,  bieten  wir  ein  Gruppenprojekt  für
                        Kinder  auf  der  Warteliste  an.  Das  Angebot  «Reise
                        durch den Zoo» richtet sich an Kinder im Kindergar-
                        ten- und Primarschulalter, die besonders im Bereich
                        der Fein- und Grafomotorik Schwierigkeiten haben.
                        In Anlehnung an das Praxisbuch «Reise durch den
                        Zoo» wird das Angebot seit März ‘22 durchgeführt.


                        Von  Schlangenspuren  und  -verstecken:  Zu  Beginn
                        jeder Zoolektion treffen sich die vier bis sechs Kinder
                        mit zwei Therapeutinnen im Kreis. Jedes Mal ist die
                        Spannung  gross,  welches  Zootier  wir  heute      Wo hat sich denn die Schlange versteckt?
                        besuchen  werden,  um  gemeinsam  mit  diesem  verschiedene  lustige  Übungen  und
                        Spiele  zu  machen.  So  werden  beispielsweise  mit  der  Schlange  spannende  Posten
                        bearbeitet:  Beim  Schlangenspuren  hinterlassen  im  Rasierschaum  sammeln  die  Kinder
                        nicht  nur  neue  taktile  Wahrnehmungserfahrungen,  sondern  führen  auch  spielerisch
                        Schwungformen  aus  und  üben  sich  in  der  Orientierung.  Dies  sind  alles  wichtige
                        Vorläuferfertigkeiten für das Erlernen der Schrift. Schlangenspuren werden auch noch
                          Schwerpunktthema:  Gruppenangebot: «Reise durch den Zoo»
                        in Sand gezeichnet und mithilfe von Zauberstiften auf Papier gesucht. In der Schluss-
                        runde wird jeweils besprochen, was den Kindern besonders gefallen hat.

                        Die «sanfte Konfrontation» mit eigenen Schwierigkeiten: Über lustvolle Übungen können
                        die  Kinder  dazu  motiviert  werden,  sich  Tätigkeiten  zuzuwenden,  die  ihnen  noch
                        schwerfallen  und  allenfalls  mit  negativen  Erfahrungen  verknüpft  sind.  Die  kleine
                        Gruppengrösse  ermöglicht  es,  die  einzelnen  Kinder  nah  zu  begleiten.  Mit  liebevollen
                        und bestärkenden Worten können die Kinder ermuntert werden, auch bei Schwierig-
                        keiten  dranzubleiben.  Der  Prozess,  die  Überwindung,  der  Versuch,  die  Bemühungen
                        rücken in den Vordergrund – das Ergebnis ist zweitrangig.

                        Die Bedeutung/Relevanz der Gruppe: Obwohl die Kinder in der Gruppe unterschiedli-
                        che Voraussetzungen mitbringen, sind sie dadurch vereint, dass sie bei fein- und/oder
                        grafomotorischen Tätigkeiten mit persönlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden. Im
                        Kindergartenalltag  erleben  sie  regelmässig,  dass  sie  im  Vergleich  zu  ihren  Gspändli
                        weniger  schnell,  weniger  genau  oder  weniger  sauber  arbeiten  –  dies,  obwohl  sie  es
                        gerne  so  gut  wie  alle  andern  können  würden.  Die  Erfahrung,  dass  es  auch  anderen
                        Kindern  ähnlich  ergeht  und  sie  mit  ihren  Schwierigkeiten  nicht  allein  sind,  kann  sehr
                        heilsam sein.

               Sicherung der Nachhaltigkeit des Angebots: Nebst dem Angebot für die Kinder findet auch ein
               Austausch  mit  den  Eltern  und  Lehrpersonen  statt.  So  werden  –  je  nach  Bedarf  –  Beratungen
               angeboten, damit für die Unterstützung von fein- und grafomotorischen Fertigkeiten ein Transfer
               ins Lebensumfeld des Kindes ermöglicht werden kann. Eine andere Möglichkeit ist, dass weiter-
               führend  eine  psychomotorische  Abklärung  in  die  Wege  geleitet  wird  oder  andere  Unterstüt-
               zungsangebote  empfohlen  werden.  Bei  anhaltender  Nachfrage  kann  das  Projekt  mit  wenig
               Aufwand weitergeführt werden.

               Bedeutung für uns als Team: Mit dem Projekt «Reise durch den Zoo» haben wir als Team nicht nur
               eine  kreative  Lösung  gefunden  wie  wir  mit  langen  Wartelisten  und  Raumknappheit  umgehen
               können. Zu zweit in der Leitung können wir im fachlichen Austausch auch voneinander lernen.
               Dabei entstehen unter anderem immer wieder neue kreative Geschichten zu den Angeboten
               im Zoo.


               Wir danken den Schulen und Behörden für die Zusammenarbeit und die Anerkennung unserer
               Arbeit.
               Elena Blättler, Lara Fabel, Sandra Probst und Laura Thrier
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